Ob Führungsverantwortliche oder Geführte, wenn die Leistungsmotivation erst in den Keller rutscht, beginnt für viele Menschen ein Abstieg in die Dunkelheit. Wer dort angekommen ist, kapselt sich ab und nimmt in seiner Isolation nur schwer Hilfe an. Die in sich zusammengefallene Leistungsmotivation entwickelt sich zu einer Leistungsunfähigkeit infolge Überforderung. Diesen Zustand nennt man Burn-out. Er kann für Unternehmen teuer werden.

Zum allgemeinen Verständnis: Burn-out ist keine Krankheit. Burn-out ist ein Problem aus und in der Arbeitswelt. So wird es im Allgemeinen in anderen Ländern gesehen. Mitte der 1970er Jahre wurde der Begriff „Burn-out“ von Herbert Freudenberger erstmalig benannt. Der Psychoanalytiker gab den gesundheitlichen Folgen beruflicher Überlastung einen Namen und brachte diesen nicht mit dem Zustand einer Krankheit zusammen.

Später hat die Sozialpsychologin Christine Maslach maßgeblich zur Erforschung des Burn-out-Syndroms beigetragen, indem sie das Burn-out-Phänomen in einer Triade Distanz zur Arbeit, emotionales erschöpft sein und abnehmende Arbeitsleistung zusammenführte. Dieser psychische Zustand wurde durch diverse Forschungen und Erkenntnisse in über 100 verschiedene Befindlichkeiten unterteilt. Ein eigenständiges Krankheitsbild ließ sich daraus allerdings nicht ableiten.

Identifiziert sind vielmehr unterschiedlichste Problemansammlungen, die als Schwierigkeiten bei der arbeitsbezogenen Lebensbewältigung bezeichnet werden und bis zu einer Totalerschöpfung führen können. Das ist das Ankommen in der seelischen Dunkelheit. Ungeachtet dessen wird bei uns oft von einer Krankheit mit den unterschiedlichsten Symptomen gesprochen, von Klagen über Konzentrationsmängel, über depressivem Gemütszustand bis zur schweren Suizidgefährdung.

Wer da angekommen, nicht nur mit seiner Leistungsmotivation, sondern vor allem mit seiner Leistungsfähigkeit im Keller ist, findet in der Regel ohne Fremdhilfe den Weg zur Normalität nicht aus eigener Kraft.

Die nun einjährig grassierende Pandemie hebelt das normale Leben aus. Die anfänglich geglaubte Freiheit, die man mit Homeoffice verband, kippte für viele schon nach wenigen Wochen in eine Isolation um, die an Einsamkeit erinnert. Kollegen sind am Bildschirm bei weitem nicht so eng verbunden, als sie sich sehen, hören, spüren. Gemeinschaften? Geselligkeit? Sich über die Pflicht hinaus miteinander auszutauschen? Der Griff nach solchen Bedürfnissen geht ins Leere. Folglich legt die Psyche die Schaffenskraft lahm.

Selbst das Ende eines Arbeitstages erlaubt einem keinen Szenenwechsel. Viele fragen sich, was schlimmer zu ertragen ist, Homeoffice oder Kurzarbeit. Die Politiker kennen in der Regel solche Wechselbaderfahrungen nicht. Deshalb können sie frohlockend plagiiere Geschenke ankündigen, die nicht nur für Unternehmen, sondern vor allem für die Betroffenen ein Graus sind: Homeoffice als Verpflichtung des Arbeitsgebers heißt in Konsequenz dafür zu sorgen, dass Menschen nicht tun dürfen, was sie wollen, sondern tun müssen, was sich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) am grünen Tisch ausgedacht hat.

Die Unzufriedenheit mit den Arbeitszuständen erfasst Unternehmer, Führende und Geführte gleichermaßen. Da kann von Glück reden, wer jemanden über sich oder neben sich weiß, der bzw. die nicht „Empathie zu zeigen versteht“, wie es oft empfohlen wird, sondern „empathisch ist“. Empathie ist kein Kleidungsstück, das man sich zu passender Gelegenheit anzieht wie eine Schürze beim Kochen. Empathie ist auch keine Rolle, die man, wenn’s notwendig erscheint, spielen sollte.

Wer Empathie nicht in sich hat, um sie authentisch zu leben, sollte sich fragen, ob er oder sie tatsächlich zu den wenigen gehört, die auch in sie selbst betreffende, kritische Situationen auf Empathie verzichten können. Wer aus innerer Haltung nicht empathisch sein kann, sollte es ehrlicherweise erst gar nicht versuchen, anderen in der Maske der Empathie zu begegnen. Dass da was nicht stimmen kann, fällt selbst dem weniger sensitiven Menschen auf. Bleibt noch die Frage, ob diejenigen, die mit ihrem Empathiebeweis anderen gegenüber Schwierigkeiten haben, keine Situation aus ihrem Leben kennen, in denen andere ihnen mit empathischer Begegnung geholfen haben. Manchmal können solche Verknüpfungen helfen zu erkennen, dass mehr in einem steckt, als man für den Moment geglaubt hat.

Mit geschärfter sozialer Wahrnehmung und Empathie ist viel auszurichten das hilft, andere im Frühstadium des Abrutschens zu erkennen und aufzufangen. Wer es sich zutraut sollte es tun. Wer es sich nicht zutraut sollte sich nach jemandem umsehen, der oder dem man es zutraut. Wenn eine gewisse Schwelle überschritten ist, hilft nur noch die Inanspruchnahme von Experten. In der Phase davor können menschliche Nähe, verständnisvolles Zuhören und die Frage, was man tun kann, wertvolle Hilfe leisten. Doch aufgepasst: Ratschläge sind auch Schläge.